Lemberg - Stadt der Löwen

Die vergangene Woche haben wir in der Ukraine verbracht, genauer in Lviv (deutsch: Lemberg). Der Bruder meines Mannes lebt und arbeitet dort und feierte am Sonntag Hochzeit mit seiner ukrainischen Liebsten, zu der wir eingeladen waren.

Ich hatte eine andere Welt erwartet und war überrascht, wie europäisch diese Großstadt ist. Sicherlich ist vieles anders als bei uns. Das beginnt schon mit den Formalitäten bei der Ankunft auf dem Flughafen (der nicht größer als der Bahnhof einer mittelgroßen deutschen Stadt ist). Ich wurde erstmal auf ukrainisch angeschnauzt, weil ich es gewagt hatte, mit dem quengelnden Konstantin aus dem Fenster zu schauen... nun ja. Das Zollpersonal schaut immer noch so grimmig wie in Sowjet-Zeiten, aber glücklicherweise arbeiten 2 Mitglieder unserer neuen Verwandtschaft beim Zoll, so dass wir bevorzugt abgefertigt wurden. Auf der Rückreise das gleiche (natürlich nicht ohne Schmiergeld...).

Die Innenstadt von Lviv ist sehr schön. Es gibt viele sanierte Häuser, daneben solche, die langsam verwittern - ein spannender Kontrast. Manche Häuser haben tolle geschmiedete Balkongitter, andere sind mit Atlanten und Reliefs verziert.


Gewohnt haben wir im Hotel Dnister. Nur wenige Minuten Fußmarsch vom Zentrum entfernt und relativ ruhig, da die Vorderseite auf einen Park zeigt, der angeblich der älteste Stadtpark in Europa ist. Er wird gerade wieder auf Vordermann gebracht, sehr zur Freude unseres Sohnes, der Bagger und Walzen und alles, was dazu gehört, sehr faszinierend findet.


Die Hochzeit fand am Sonntag nach griechisch-katholischem Ritus statt. Die Braut war für ukrainische Verhältnisse sehr schlicht gekleidet, denn die anderen Bräute, die wir an diesem Wochenende in der Stadt sahen, trugen alle Rüschenkleider mit riesigen Reifröcken und bodenlange Schleier. In der griechisch-katholischen Kirche darf man nur an bestimmten Tagen im Jahr heiraten, und da dieses Wochenende das letztmögliche Wochenende in der warmen Jahreszeit war, sah man überall Brautpaare.


Gefeiert wurde in einem wunderschön hergerichteten, schlossähnlichen Gebäude in mehreren Räumen. Bei einer ukrainischen Hochzeit gibt es viele Tischreden, viel Wodka, es wird viel getanzt und gesungen. Das Essen gibt es in mehreren Gängen, dazwischen werden Pausen zum Tanzen eingelegt. Es war eine sehr schöne Hochzeit, sogar Konstantin hat bis 23 Uhr durchgehalten und sehr viel getanzt :-)


Am nächsten Tag haben wir einen Ausflug in ein Dorf östlich von Lviv gemacht. Dort stehen zwei Kirchen, in denen sich angeblich Wunder ereignet haben. In der alten Holzkirche, die schon mehrere hundert Jahre alt ist, soll bei einem verheerenden Dorfbrand Maria auf dem Dach erschienen und die Flammen abgewehrt haben. Außerdem beherbergt die Kirche ein Bild des gekreuzigten Jesus, das früher ganz schwarz war und sich auf wundersame Weise erneuert hat und nun im schönsten Gold erstrahlt. Es soll Wunder wirken, genauso wie das Wasser, das in dieser Kirche geweiht ist und das man dort trinken kann. Wir haben auch einen Schluck genommen, kann ja nicht schaden :-) Die Wand- und Deckenbilder auf der nächsten Collage wurden übrigens nicht von Menschenhand restauriert, sondern erneuerten sich nach der politischen Wende auf geheimnisvolle Weise selbst, bis sie so strahlten, als seien sie erst gestern gemalt worden. Das hat uns zumindest die Universitätsprofessorin erzählt, die unsere Führung geleitet hat...! Die Menschen in diesem Gebiet der Ukraine sind sehr religiös - das mag erklären, warum eine Akademikerin völlig unkritisch solche Anekdoten erzählt.


Ein weiterer Ausflug führte uns auf eine Burg ebenfalls in Galizien. Sie wurde restauriert und wir konnten eine Ausstellung mit Gemälden und Gegenständen zur Geschichte der Burg ansehen. Im Anschluss zeigte uns die Mutter der Braut, die uns auf diesem Ausflug begleitete, noch ein unrestauriertes Schloss. In Galizien gibt es sehr viele Schlösser, die aber meist sehr verfallen sind, da das Geld ja noch nicht einmal zur Wiederherstellung der Wohnhäuser reicht.


Die restlichen Urlaubstage blieben wir in Lviv, machten eine Stadtrundfahrt, kauften Süßigkeiten und eine Melone für weniger als 1 Euro auf einem Basar (Lebensmittel sind sehr preiswert), schauten uns die wunderschönen, zum Teil restaurierten Häuser aus der österreichisch-ungarischen Zeit an und genossen die Stadtatmosphäre. Man kann dort für wenig Geld sehr gut essen. Gegrilltes Fleisch (Schaschlik), den typischen Eintopf Borschtsch und sehr leckere, frische Salate. Besonders lecker fand ich einen warmen, armenischen Salat aus geschmortem Gemüse, der mich ein bisschen an Ratatouille erinnert hat.

Beeindruckt hat mich, wie schick die ukrainischen Frauen gekleidet sind. Stets körperbetont, meist im Rock, mit unglaublich hohen Schuhen mit Bleistiftabsätzen, auf denen ich nicht mal einen Abend geschweige denn einen langen Arbeitstag lang laufen könnte.


Lviv ist auf jeden Fall eine Reise wert. Man kann durch die Stadt bummeln und die wunderbaren Gebäude bewundern, es gibt viel sehenswerte Kirchen, unzählige Cafes und Restaurants, in denen man hervorragend essen und trinken kann. Allerdings darf man sich nicht darauf verlassen, dass die Leute dort englisch oder deutsch sprechen. Bei den jüngeren könnte man Glück haben, muss aber nicht. Ohne meinen Schwiegervater, der gut russisch spricht, hätten wir wohl größere Verständigungsprobleme gehabt. Hier noch ein paar Schilder, die wir fotografiert haben - wer zumindest das kyrillische Alphabet beherrscht, dürfte keine Probleme haben, sie zu entziffern :-)

Liebe Grüße von

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Sehr schöner Bericht! Darüber hat mir niemand was erzählt - nun bin ich schlauer :)
Bin gerade am Tüfteln über eine mögliche Seite zur Mühle in Grube, nur für mich zum Testen, kurze Zeit online! Geht mit FF und IE, Rest weiß ich (noch) nicht. Anfangsphase!

http://muehle-grube.npage.de/

Kommentare über Sinn und Unsinn erwünscht, wie gesagt, noch weiß eigentlich keiner davon, ist auf meinem Mist gewachsen...

Viele liebe Grüße, dein Cousin S.

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